Klasse für Intermediale Fotografie und zeitbasierte Medien im künstlerischen Feld

Prof. Peggy Buth und Holger Jenss (künstlerischer Mitarbeiter)

Ein zentraler Aspekt des Fotografischen ist das Potential Wirklichkeit zu beschreiben. Die Fotografie wurde im analogen Zeitalter als Spiegel des Realen, als mechanisches Gedächtnis beschrieben. Das digitale Zeitalter hat die Fotografie verändert, und mit ihren Möglichkeiten Daten umzuschreiben, zu verteilen oder auch zu löschen bekam der sogenannte Spiegel des Realen weitere Risse. Trotzdem benötigen wir weiterhin Bilder und deren Erzählungen, analog oder digital erzeugt, um zu erkennen und zu beschreiben was wir sehen und erfahren. Wir brauchen die Fotografie, mit ihren unterschiedlichen Gebrauchsweisen als Darstellungsmedium als auch als soziale Praxis und die durch sie vermittelten Erfahrung, in jeglicher Form und Gestalt, um die Welt, in der wir leben, besser begreifen zu können.

Die Intermedialität bezeichnet die Beziehung zwischen Medien. Um die transformationale, transmediale sowie intermediale Beziehung analysieren und beschreiben zu können, ist eine Kenntnis der Eigenschaft und Spezifik des repräsentierenden Mediums erforderlich. Wir betrachten das Medium der Fotografie nicht als ein autonomes Produkt, sondern denken sie als einen Teil von verschränkten, transformativen medialen Konfigurationen. Intermedialität ist immer eng verbunden mit gesellschaftlichen Veränderungen. Dies ist einer unserer wichtigen Forschungsgegenstände.

Ausgehend von der klassischen analogen Fotografie über das digitale Bild bis zum Bewegtbild und hybriden Bildtechnologien lernen die Studierenden unterschiedliche Felder und Praxen des intermedial Fotografischen kennen und realisieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Entwicklung dokumentarischer und künstlerischer Bildstrategien, der fotografischen Publikation sowie von installativen fotografischen Arbeiten im Raum.

Eine gemeinsame Grundlage liegt in der Befragung der Beziehungen zwischen dem Medium Fotografie und den andockenden Medien, der Materialität der Bilder und deren wandelbaren Praxen. Dazu gehört die Betrachtung der vielfältigen Möglichkeiten der Bilderzeugung ebenso wie das Löschen und Überschreiben oder die Techniken zur Veränderung oder auch Manipulation des Bildinhaltes; die Reflexion der Herkunft der fotografischen Bilder, ihrer Verwendung und wandelbaren Erscheinung in ihrer analogen wie digitalen Zirkulation (Migration der Bilder, Ökonomie der Bilder, Politiken der Bilder); eine stetige Auseinandersetzung mit den Prozessen der Bedeutungsproduktion in der Handhabung der Bilder, der Wahrnehmung und dem Zeigen von Fotografien sowie deren Verwendung als Akteure von Repräsentations- bzw. Bildpolitiken; die Betrachtung und Analyse eines erweiterten Feldes des Fotografischen mit seinen Apparaturen, seinen Institutionen sowie seinen Diskursen: Wer gibt zu sehen? Wer kann zeigen? Welche Bilder werden nicht gezeigt? Was ist Sichtbarkeit? Was ist Erkennen? Warum sind die einen Bilder sichtbar und die anderen nicht? Grundlegend ist eine kritische Reflexion des fotografischen Handelns aus der Perspektive der eigenen und der fotografischen Praxis anderer; das Kennlernen von Strategien künstlerischer Forschung und deren Anwendungsfelder.

Methode der Lehre
Das Studium stellt einen Möglichkeits- und Denkraum für eine kollektive und selbstständige Reflexion der Studierenden dar. Unsere Arbeitsweise in der Klasse ist auf der einen Seite projektorientiert, auf der anderen Seite soll sie eine freie, individuelle, eigenständige Entwicklung der Studierenden fördern. Dazu gehört ein gemeinsames Arbeiten, das Senken von Schwellen, ein gemeinsamer Austausch und Kontakt, gegenseitige Hilfestellung sowie die Weitergabe unterschiedlicher Erfahrungs- und Arbeitsniveaus. Der Unterricht findet innerhalb der Klasse oder auch in Arbeitsgruppen in Form von Gruppenpräsentationen und Arbeitsgesprächen statt sowie im Rahmen einer persönlichen und individuellen Einzelbetreuung. Eine klassenübergreifende Projektarbeit wird angestrebt. Die Verbindung, der Austausch und die forschende Zusammenarbeit mit den anderen Arbeitsbereichen an der Kunsthochschule und der Uni Kassel ist uns ein Anliegen, ebenso Exkursionen, Gastvorträge und außeruniversitäre Kooperationen.

Wir möchten eine Verschränkung von künstlerischer, gestalterischer, forschender und theoretischer Praxis stärken sowie das Sprechen über die eigene Arbeit, eine kritisch-engagierte Haltung und reflektierte Arbeitsweise anregen und befördern. Die Klasse für Intermediale Fotografie soll den dafür notwendigen Frei- und Kontaktraum herstellen.

Lehrende

Buth, Peggy

Professur für Fotografie
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Jenss, Holger

Künstlerischer Mitarbeiter | Fotografie und Koordination Graduiertenschule Bewegtbild
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