Pejman Ayoubzadeh: Vom Jurastudium zur Kunstwissenschaft

Pejman Ayoubzadehs Weg zur Kunsthochschule Kassel ist außergewöhnlich. Geboren und aufgewachsen in Buschehr, einer Hafenstadt am Persischen Golf im Südwesten Irans, studierte er dort zunächst Rechtswissenschaft. Als er sich später für ein Jurastudium an der Goethe-Universität Frankfurt bewarb – und dort angenommen wurde – ahnte er noch nicht, dass er letztlich seiner eigentlichen Leidenschaft, der Kunst, folgen würde.

Seit 2022 studiert Ayoubzadeh Kunstwissenschaft in Kassel. „Die Kunst ist für mich weit mehr als nur ein Studienfach; sie ermöglicht mir, gesellschaftliche Veränderungsprozesse zu reflektieren und zu hinterfragen. Besonders reizt mich, die Vielschichtigkeit eines Kunstwerks zu verstehen, in welcher Form es unsere Umwelt beeinflusst“, erklärt der Student. Inspiriert habe ihn dabei die Verbindung von Kunstgeschichte und moderner Kunstwissenschaft, die für ihn ideale Studienbedingungen bietet: „Kassel ist nicht nur durch die weltweit bedeutende Kunstausstellung documenta bekannt, sondern auch durch die Sammlungen der Gemäldegalerie Alte Meister im Schloss Wilhelmshöhe“, so Ayoubzadeh.

Ayoubzadeh möchte Theorie und Praxis miteinander verbinden. Dazu gehören Museumsbesuche, Exkursionen und die akademische Auseinandersetzung mit Fachliteratur. „Wir haben 2025 eine Studienreise nach Italien gemacht. Im Kunsthistorischen Institut in Florenz habe ich für meine Seminararbeit recherchiert und mir gleichzeitig die dazugehörigen Originalwerke im Museum angesehen. Am Ende haben wir unsere Projektergebnisse im Casa Zuccari präsentiert. Das war großartig“, berichtet der angehende Kunstwissenschaftler.

Immer wieder betont Ayoubzadeh, wie wichtig der Praxisbezug im Studium ist: „So wie Chemiestudierende ins Labor gehen, um zu arbeiten, müssen wir Kunststudierenden ins Museum gehen, um Werke zu analysieren. Oder in einer Restaurierungswerkstatt lernen, wie Exponate untersucht, konserviert, rekonstruiert werden und wie sich Farben auf Gemälden im Laufe der Zeit verändern“, verdeutlicht der Student.

Aktuell forscht Pejman Ayoubzadeh unter der Leitung von Prof. Dr. Kai-Uwe Hemken zur Geschichte der Kunstakademie Kassel im 20. Jahrhundert. Im Rahmen des Projekts recherchiert er zu dem irischen Künstler Cecil Salkeld (1904–1969), der von 1920 bis 1924 an der Akademie studierte. „Die Geschichte der heutigen Kunsthochschule zu beleuchten, motiviert mich sehr“, äußert Ayoubzadeh.

Auch über die Herausforderungen seines Studiums spricht Ayoubzadeh ganz offen: „Ich arbeite immer daran, meine Deutschkenntnisse zu perfektionieren. Tag für Tag merke ich Fortschritte, und mein Ziel ist es, das Niveau meiner Muttersprache zu erreichen,“ so der Student. Eine weitere Herausforderung sei es, die Balance zwischen dem Studieren und der notwendigen Lohnarbeit zu halten: „Ich arbeite etwa 80 Stunden im Monat, weil ich meinen Lebensunterhalt selbst bestreiten muss. Das verlangt einiges ab und erfordert Selbstdisziplin, um zum Beispiel Deadlines im Studium einzuhalten“, ergänzt Ayoubzadeh.

Pejman Ayoubzadeh verfügt über vielseitige Interessen und Kompetenzen, die von der Kunstproduktion bis hin zu Managementerfahrungen reichen. Bereits mit 18 Jahren gründete er im Iran eine Online-Buchhandlung und verband damit seine Begeisterung für Literatur mit selbstständigem Arbeiten. Die Buchhandlung führt er in der Zwischenzeit gemeinsam mit seinem Bruder weiter. Konkrete Pläne für die Zeit nach seinem Bachelorabschluss hat er auch schon: Er möchte im Wintersemester 2026/2027 ein Masterstudium an der Kunsthochschule Kassel mit dem Schwerpunkt Kunstgeschichte beginnen. „Meine berufliche Zukunft sehe ich in den Bereichen Forschung und Lehre. Ergänzend möchte ich auch im musealen Kontext Erfahrungen sammeln“, unterstreicht Ayoubzadeh.

Zuletzt kommt Ayoubzadeh auf die Museen als Räume reflektierter und kritischer Auseinandersetzung zu sprechen. Nach Nora Sternfeld, Professorin für Kunstpädagogik an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK), sind Museen mehr als reine Präsentationsräume und sollten dazu genutzt werden, um unterschiedliche Perspektiven – vor allem auch marginalisierte – sichtbar zu machen und offene Diskussionen zu ermöglichen. Ayoubzadeh stimmt dem zu: „Ich finde es sehr wichtig, Museen auf den Prüfstand zu nehmen, um zu verstehen, warum bestimmte Kunstwerke ausgestellt sind und welche historischen Hintergründe damit verbunden sind.“

(Text: Çiğdem Özdemir)