Jahresausstellung der Graduiertenschule für Bewegtbild (GBB).
Zeitzeug*innen berichten von Pandemien, Naturkatastrophen und ausbleibenden Ernten während der kleinen Eiszeit im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts. Im Archiv des Berliner Naturkundemuseums erzählen Spuren von der Gewalt einer Ausgrabung, durch die 1913 ein Dinosaurierskelett aus der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika ins Deutsche Kaiserreich gelangte. 2026 erinnert sich eine junge Frau in Phnom Penh, Kambodscha, an verschwundene Orte ihrer Kindheit. In Form von fragmentierten Gedichten, Tagebucheinträgen und Gedankenströmen sprechen (innere) Stimmen von queeren Realitäten, Lust, Verlustangst und Entzug. Und in einer nahen Zukunft des fortgeschrittenen Kapitalozäns durchstreift eine Motte auf der Suche nach Nahrung klimatisch zerrüttete Landschaften.
Über eine Zeitspanne von etwa 500 Jahren erzählen die Arbeiten dieser Ausstellung von verschiedenen Formen des Verlusts. „In the Event of Loss – im Falle des Verlusts“ ist eine typische Formulierung aus Versicherungsverträgen. Gemeint ist ein Schadensfall, der Reparatur, Ersatz oder finanzielle Entschädigung verlangt. Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage, was passiert, wenn Dinge verschwinden, die sich nicht in einer solchen bürokratischen Logik fassen lassen. In the Event of Loss heißt hier: der Verlust von ganzen Ökosystemen und Arten, von Beziehungen, Stabilität und Kontrolle.
Mit der Graduiertenschule für Bewegtbild: Analoge Realitäten, Digitale Materialitäten (GBB) bietet die Kunsthochschule Kassel seit 2020 ein künstlerisches/gestaltungsbasiertes postgraduales Forschungsprogramm an. Ausgehend von einem umfassenden Verständnis des Bewegtbildes als Feld zwischen Games, Animation, Video, Neuen Medien und Film kommen in der GBB Filmemacher*innen, Künstler*innen und Gestalter*innen zusammen, um vier Semester an ihren individuellen Forschungsprojekten zu arbeiten. In the Event of Loss ist der Titel der diesjährigen Jahresausstellung. Als Teil der Reihe GBB_edits präsentiert sie die Projekte der Teilnehmenden und ist zugleich die Abschlusspräsentation derjenigen, die das zweijährige Programm beenden.
Gezeigt werden Arbeiten von Annkathrin Kluss, Chuhui Luo, Elio Purfürst, Leonard Volkmer und Max Hilsamer.
Eröffnung: 9. Juli, 19 Uhr
Laufzeit: 10.–26. Juli 2026
Öffnungszeiten während des Rundgangs der Kunsthochschule Kassel:
10. Juli, 12–22 Uhr / 11. Juli, 12–24 Uhr / 12. Juli, 12–18 Uhr
Öffnungszeiten ab dem 13. Juli:
Freitag, Samstag, Sonntag: 14 –18 Uhr
Eintritt: kostenlos
Ausstellungshalle der Kunsthochschule Kassel
Menzelstraße 13
34121 Kassel
