Design als Ausdruck kultureller Vielfalt

Kunsthochschulstudentin Indira Marukić entwirft Produkte, die von unterschiedlichen Kulturen inspiriert sind. Fotocredit: Çiğdem Özdemir

Designstudentin Indira Marukić entwirft Produkte, die von verschiedenen Kulturen inspiriert sind. „Mich fasziniert es, in meinen Arbeiten historische Traditionen in einen zeitgenössischen Kontext zu setzen und neu zu interpretieren. Bei meinem Hocker ‚Lametta‘ beispielsweise greife ich römische Gestaltung auf und kombiniere sie neu. Die weiße geschwungene Form greift dabei die Formsprache römischer Hocker auf. Die rosa Lederfransen spielen auf römische Helme an, jedoch bewusst in einer modernen Interpretation“, erläutert die Kunsthochschulstudentin. Ob Form, Farbe oder Proportion, Marukić versucht, Gestaltungselemente umzuinterpretieren, mal durch Reduktion, mal durch die Hervorhebung eines bestimmten Details oder durch die Verwendung eines anderen Materials. ‚Zweckentfremdung‘ könne dabei sehr hilfreich sein, sagt sie ironisch.

Die reiche Kultur Bosniens, aus der Marukićs Familie stammt, insbesondere die Mischung aus orientalischen und europäischen Einflüssen, prägt ihr gestalterisches Denken. „Es inspiriert mich sehr, dass in Sarajevo ein Stück Orient mitten in Europa zu finden ist. Mich interessieren weniger die oft gezeigten Motive – wie florale Stickereien – als vielmehr alltägliche Verhaltensweisen und subtile gestalterische Details“, so die Designstudentin. Ihr Zugang zu kulturellen Themen habe sich im Laufe ihres Studiums verändert: „Zu Beginn bezog ich mich stärker auf stereotype Bildwelten wie traditionell-geometrische Teppichmuster. Heute achte ich mehr auf Gesten, Bräuche und Alltagspraktiken. Zum Beispiel gehört Münzschmuck mit Prägung in vielen Regionen des Balkans zu historischen oder folkloristischen Kleidungsstilen. Er wird zu besonderen Anlässen getragen“, betont Marukić. Der Münzschmuck ist nicht nur dekorativ, sondern trägt eine symbolische Bedeutung. Die Geste des Schmucktragens, die ethnische Identität sichtbar macht, dient der Produktdesignerin als Inspirationsquelle für ihre eigenen gestalterischen Konzepte. „Ich möchte mit meinen Arbeiten nicht nur die Ästhetik vergangener Epochen aufgreifen, sondern sie in einen Dialog mit der Gegenwart bringen.“ So setzt sich ihr Ringentwurf „DUKAT“ mit der Bedeutung von Münzschmuck auseinander und ist zugleich eine neue Interpretation eines alten Motivs mit langer Tradition.

Als Gestalterin möchte Marukić eine Brücke zwischen verschiedenen Kulturen schlagen. Gleichzeitig ist sie sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Für sie ist Design mehr als Ästhetik oder Funktionalität: „Gestalterische Entscheidungen beeinflussen, wie Menschen Dinge wahrnehmen. Sie können bestimmte Werte sichtbar machen oder verstärken. Deshalb ist Design nicht neutral, sondern immer auch Teil gesellschaftlicher Prozesse. Designobjekte können als politisches Medium eingesetzt werden, um gefestigte Machtstrukturen zu hinterfragen“, gibt Marukić zu bedenken. Damit knüpft sie an den Diskurs des Designtheoretikers Friedrich von Borries an, der die enge Verbindung von Design und Politik hervorhebt und darauf hinweist, dass Gestaltung selten neutral ist. Designobjekte können gesellschaftlich genutzt, politisch interpretiert oder instrumentalisiert werden. Daraus ergibt sich für Designerinnen und Designer die Verantwortung, die Folgen und möglichen Nutzungen ihrer Entwürfe zu reflektieren.

In diesem Jahr möchte Marukić ihr Studium bei Prof. Ayzit Bostan abschließen. Als Designerin möchte sie Lösungen für aktuelle Herausforderungen entwickeln. Dabei interessiert sie besonders, wie traditionelle Techniken und Materialien in einen zeitgenössischen Kontext übertragen werden können und dadurch nachhaltige Alternativen entstehen. „Design kann helfen, gesellschaftlichen Problemen zu begegnen, etwa wenn man an Terrakotta-Gefäße denkt, die Wasser ganz ohne Strom kühlen“, so die angehende Designerin und verweist auf das Potenzial traditioneller Techniken für zukunftsfähige Lösungen.

(Text: Çiğdem Özdemir)

Quelle:
Design als Ausdruck kultureller Vielfalt. In: publik – Magazin der Uni Kassel, Nr. 2, 25.06.2026.

 

Kunsthochschulstudentin Indira Marukić entwirft Produkte, die von unterschiedlichen Kulturen inspiriert sind. Fotocredit: Çiğdem Özdemir
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