Vom 22. bis 24. Mai 2026 entsteht in den BALi Kinos im Kasseler Kulturbahnhof zum dritten Mal mit dem Queerfilmfest ein lebhafter Ort für Filmbegeisterte, Kulturinteressierte und die queere Community. Ob dokumentarische Porträts, Retrospektiven, satanische Säue oder queere Utopieentwürfe – die Themen des diesjährigen Queerfilmfests sind vielfältig. Im Zentrum stehen sieben Langfilme, zwei Kurzfilmprogramme und ein umfangreiches Rahmenprogramm, das zum Entdecken, Vernetzen und Diskutieren einlädt.
Das Festival eröffnet am Freitagabend mit dem Dokumentarfilm Queer Me! (Frankreich, 2025), in dem Irene Bailo Carramiñana das Zusammenleben in einem besetzten Haus und temporären Zuhause für Queers in Toulouse dokumentiert. Die Produzentin des Films Odile Méndez-Bonito wird für ein anschließendes Filmgespräch zu Gast sein. Gemeinsam mit einer Drag Show vom Kasseler Drag-Kollektivs Samt & Seuche, Eröffnungsreden und dem Kurzfilm 130218 von Casjen & Melina Griesel bildet dieser Abend den Beginn eines vielseitigen Festivalwochenendes.
Nach der Eröffnung wird wie gewohnt mit Sekt und Limo angestoßen und bei der Queerfilmfest Celebration gemeinsam gefeiert, dieses Jahr in den Räumen der Caricatura Bar. Wer lieber singen statt tanzen möchte, ist beim Kino-Karaoke im großen BALi, ebenfalls am Freitagabend nach der Eröffnung, genau richtig.
Das Langfilmprogramm liefert weitere Highlights: In dem Dokumentarfilm Orlando, meine politische Biografie (Frankreich, 2023) werden ausgehend von Virginia Woolfs berühmter Romanfigur Orlando 26 Biografien von “modernen Orlandos” präsentiert und Einblicke in reale Trans-Biografien gezeichnet. Gezeigt wird der Film in Kooperation mit dem Literaturhaus Kassel. In Bixa Travesty (Brasilien, 2018) liefert die Künstlerin Linn Da Quebrada in einem Akt radikaler Selbstinszenierung den Soundtrack für schwarze Trans-Sichtbarkeit. Der in Kooperation mit Film und Bewegtbild (Kunsthochschule Kassel) gezeigte Film Satanische Sau (Deutschland, 2025) stellt einen fesselnden Nachruf auf den verstorbenen Filmemacher und Aktivist Rosa von Praunheim dar. Hauptdarsteller Armin Dallapiccola wird für ein anschließendes Filmgespräch vor Ort sein. Den Film Polyester (USA, 1981) von John Waters kann man riechen! Für die olfaktorische Untermalung gibt es “Odorama”-Rubbelkarten für dieses Geruchskino zu erwerben, das in Kooperation mit Randfilm auf die Kinoleinwand kommt. Auch kooperiert das Queerfilmfest dieses Jahr erneut mit Dynamo Windrad e.V. im Rahmen des animierten Dokumentarfilms Flee (Dänemark, Frankreich, Schweden, Norwegen, 2021). Dieser dreht sich um die Fluchtgeschichte des 36-jährigen Amin und die Frage nach einem Platz für die eigene queere Identität. Zum Abschluss läuft der Film Days (Taiwan, 2020), der die sinnliche Begegnung von Kang und Non in einer gekauften Nacht in Bangkok zum Thema hat. Vor dem Film gibt es eine Tanzperformance mit dem Titel Queer Waters von den Kasseler Tänzer*innen Juno Harrer, Eva Eyrich, Janina Rohlik und Sophie Sengle.
Die drei Kurzfilmprogramme Hot & Short: Do It Yourself, Leben und Überleben und Transition im Fokus runden das Filmprogramm mit verschiedenen Perspektiven lokaler und internationaler Filmemacher*innen ab, die teilweise für Filmgespräche vor Ort sein werden.
Ein glücklicher Archiv-Fund und ein Highlight des diesjährigen Festivals ist die Sendung Rosa Seifenblasen, die in den 90er-Jahren im Offenen Kanal Kassel lief. In einem Best-Of-Zusammenschnitt geht es um die Kasseler queere Szene in den 90ern. Co-Creator Christof Ahrendt sowie weitere Mitwirkende sprechen über die Produktion und das queere Kassel damals und heute. Die Folgen der Sendung werden auch in der Ausstellung For The Record - Queer in Kassel 1996 und 2026 im Foyer des Offenen Kanals zu sehen sein, neben einem Fotografieprojekt des Heraku e.V., in dessen Arbeiten junge Künstler*innen Einblicke in ihr gegenwärtiges Leben geben. Eine weitere Ausstellung mit queeren Künstler*innen aus Kassel und aller Welt findet erneut unter dem Motto Queer Reclaiming of Spaces in den Schaukästen der BALi-Kinos in der Bahnhofshalle statt.
Infos zum Programm, Content Notes, Barrieren und Awareness ab dem 10. Mai auf:
www.queerfilmfest-kassel.de
3. Queerfilmfest Kassel
22.–24. Mai 2026
BALi Kinos im Kasseler Kulturbahnhof
Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel
Eintrittspreise pro Veranstaltung
Grundeintrittspreis: 5 €
Support-Ticket: 12 €
(unterstützt das queere Filmprogramm im BALi und die Soli-Tickets)
Soli-Ticket: 0 € (begrenztes Kontingent, ohne Bedarfsnachweis)
Das Rahmenprogramm ist kostenfrei.
Die Akteur*innen
Der Queerfilmfest Kassel e.V. wurde 2024 gegründet und gestaltet 2026 zum dritten Mal das regional einzigartige Queerfilmfest Kassel. Das Festival entsteht in Kooperation mit den BALi Kinos im Kasseler Kulturbahnhof und wird unter anderem gefördert von QueerScope – Verband der unabhängigen queeren Filmfestivals in Deutschland e.V., Hessen Film & Medien sowie dem Kulturamt der Stadt Kassel.
Die BALi Kinos im Kulturbahnhof sind seit 1995 eine wichtige Kulturinstitution in Kassel. Hier finden jährlich mitunter das international renommierte Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest, das Randfilmfest sowie die Werkschau Trickreich der Animationsklasse der Kunsthochschule Kassel statt.
