Diesen Sommer widmet das silent green dem Künstler Bjørn Melhus eine umfangreiche Einzelausstellung. LOST IN FINITY entfaltet sich als immersive Gesamtinstallation, die eigens für die Betonhalle des silent green konzipiert wurde.
Melhus inszeniert den Ausstellungsraum als Parcours durch das mediale, kollektive Unterbewusste des 20. und 21. Jahrhunderts, als filmische Erzählung zwischen menschlichen Sehnsüchten und Ängsten, zwischen Untergangsszenarien und utopischen Entwürfen. Ausgangspunkt ist Material mit neu kombinierten Ausschnitten aus seinem künstlerischen Schaffen der vergangenen 35 Jahre, das auf unheimliche Weise mit der Gegenwart in Resonanz tritt: religiöse Bildwelten treffen auf popkulturelle Endzeitvisionen und technoide Exit-Strategien.
LOST IN FINITY schafft einen ebenso melancholischen wie tragischkomischen Denkraum zur Multikrise der Gegenwart, verbunden mit der akuten Frage nach möglichen Gegenentwürfen und neuen Utopien.
Zeitenende in der Unendlichkeit
Während gegenwärtig die Apokalyptik wieder hoch im Kurs steht, erleben wir in einem "einfach-weiter-so" die Verleugnung der Möglichkeit eines Endes. Zwei Zustände, die der Philosoph Srečko Horvat in seinem Buch Poetry from the Future als "apocalyptic fetishism" und "fetishist denial" beschreibt. Die Ausstellung versucht, beide Fragestellungen ineinander zu verschränken.
Zentral für die thematische Ausrichtung der Ausstellung ist die Videoarbeit REVELATION, die 2024 während eines Aufenthalts an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom entstand und nun erstmals in Berlin gezeigt wird. Sie greift Motive der Johannes-Offenbarung auf und verwebt diese auf nahezu suggestive und malerische Weise mit Bildchiffren der Gegenwart.
LOST IN FINITY ist verwoben in eine übergreifende, traumartige Erzählung aus kurzen Video-Loops: Eine sich stetig wandelnde Komposition aus Figuren, Monolog- und Dialogfragmenten, Klangfetzten, Landschaften, Planeten und Weltraumprojektionen leitet die Besucher*innen durch die Ausstellung. Zugleich wird der Ausstellungsraum zu einer Reise durch die Kernfragestellungen einer künstlerischen Praxis, die sich seit drei Jahrzehnten mit medialen Repräsentationen von Krieg, Religion, Kapitalismus und verlorenen Utopien auseinandersetzt. Melhus eigene Stimme ist dabei nie zu hören, stattdessen arbeitet er mit variierenden, sich wiederholenden Stimmzitaten, die er aus bekannten Hollywood-Filmen, TV-Serien und YouTube-Videos extrahiert.
Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Screenings und Talks wird die Ausstellung begleiten. Informationen zum Programm unter: www.silent-green.net.
17. Juli bis 23. August 2026 | Betonhalle
Eröffnung
Do, 16. Juli, Einlass: 19 Uhr / Start: 19:30 Uhr
Öffnungszeiten
Di–Fr: 14–20 Uhr
Sa–So: 11–20 Uhr
Eintritt frei
Die Einzelausstellung LOST IN FINITY ist ein Projekt der silent green Film Feld Forschung gGmbH. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.
