Kirchenbauer, Vika
Professur für Kunst im zeitgenössischen Kontext

Vika Kirchenbauer ist Künstlerin, Autorin und Musikproduzentin. In ihrer Praxis untersucht sie die politischen und gesellschaftlichen Grundkonflikte des künstlerischen Feldes. In Videos, Performances, Installationen, Musik und theoretischen Texten setzt sie sich kritisch mit historisch gewachsenen Kategorien auseinander, die nach wie vor zentral für die Art und Weise sind, wie Kunst mit Klasse, Kolonialität und Queerness in Beziehung steht. Im Mittelpunkt ihrer Praxis stehen die affektiven und materiellen Infrastrukturen der zeitgenössischen Kunst an der Schnittstelle von Nationalstaat und Ökonomie sowie die Subjekte und Selbstverständnisse, die diese hervorbringen. In ihrer Forschung hat sie sich intensiv mit der frühen Institutionalisierung der zeitgenössischen Kunst im Großbritannien des 18. Jahrhunderts befasst. In diesem Zusammenhang beschäftigt sie sich damit, wie Konzepte der Moralphilosophie und die Gefühle einer aufstrebenden künstlerischen Elite maßgeblich dazu beitrugen, Herrschaftsstrukturen und Überlegenheitsvorstellungen tief im Kern der europäischen Begrifflichkeit von Kunst zu verankern.
Ihre erste Monographie ist 2022 bei Mousse Publishing erschienen und enthält Essays und Arbeiten, die über einen Zeitraum von zehn Jahren ab 2012 entstanden sind. Eine zweite Monografie, die 2025 im selben Verlag erschienen ist, vereint ihre Videoarbeit Compassion and Inconvenience (2024) – deren Skript zusammen mit Standbildern und deskriptiven Untertiteln wiedergegeben wird – und ihren Essay Instituting Inconvenience and Colonial Relations: The Genesis of European Contemporary Art Institutions in Mid-18th Century London (2025).
In umfassenden Einzelausstellungen wurde Kirchenbauers Arbeit beispielsweise im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2021); sowie im Kunstverein Kevin Space, Wien (2021/22); präsentiert. Ihre Videos und Installationen wurden außerdem im Rahmen von zahlreichen Duo- und Gruppenausstellungen sowie Screenings präsentiert, wie u.a. im Württembergischen Kunstverein, Stuttgart (2026, ‘25); in der Shedhalle, Zürich (2025); in der Berlinischen Galerie, Berlin (2023); bei d/p, Seoul (2023), im Tainan Art Museum, Taiwan (2021); in der Whitechapel Gallery, London (2020); in der Kunsthal Charlottenborg, Kopenhagen (2019); im Rahmen des European Media Art Festival (2026, ‘24, ‘22, ‘20, ’16, ’14, ‘12, ’11); der Internationalen Filmfestspiele Berlin (2026, ‘25, ‘20); des Toronto International Film Festival (2021) sowie des New York Film Festival (2021, ’20). Für ihre Arbeit UNTITLED SEQUENCE OF GAPS (2020) erhielt Vika Kirchenbauer den EMAF-Award, den EMAF-Medienkunstpreis, den Deutschen Kurzfilmpreis sowie den Preis der Deutschen Filmkritik. 2016 wurde ihre Videoarbeit SHE WHOSE BLOOD IS CLOTTING IN MY UNDERWEAR mit dem Preis für den Besten Beitrag zum Deutschen Wettbewerb bei den Kurzfilmtagen Oberhausen prämiert. Zu weiteren Auszeichnungen gehören das Kunstfonds Stipendium (2020), das Villa Aurora Los Angeles Fellowship (2018) sowie das Arbeitsstipendium Bildende Kunst des Berliner Senats (2015).
Für Vorträge, Workshops, Seminare und Tutorials wurde sie von einer Vielzahl von Lehrinstitutionen eingeladen, darunter die New York University, die Ruskin School of Art, Oxford; die Goldsmiths University of London, die Rutgers University, New Brunswick; das Otis College for Art and Design, Los Angeles; die University of Copenhagen, die Universität der Künste Berlin, die Hochschule für Bildende Künste Hamburg und die Universität Hildesheim. Ab 2022 war sie Professorin für Freie Kunst (Grundklasse „Film/Video) an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. 2026 wurde sie zur Professorin für Bildende Kunst im zeitgenössischen Kontext an der Kunsthochschule Kassel ernannt.