In der CGTN-Reihe „Our World“ (China Global Television Network vom 11.04.26) sprach Joel Baumann, Professor für Neue Medien an der Kunsthochschule Kassel, über den tiefgreifenden Wandel kultureller Bildung im Kontext globaler Entwicklungen.
Sowohl in China als auch in Europa wird dem historischen Erbe und den jeweiligen kulturellen Wurzeln traditionell große Bedeutung beigemessen. Vor dem Hintergrund einer zunehmend globalisierten Popkultur und einer wachsenden Kommerzialisierung von Bildungsinhalten sieht Prof. Baumann diese Wertschätzung jedoch unter Druck. Gerade aus der Perspektive der Neuen Medien wird deutlich, wie stark digitale Plattformen und internationale Medienformate zu einer kulturellen Vereinheitlichung beitragen häufig auf Kosten lokaler Traditionen und spezifischer Ausdrucksformen.
Zugleich kritisiert Prof. Baumann eine zunehmende Ökonomisierung von Bildungssystemen. Fächer der kulturellen Bildung geraten dabei ins Hintertreffen, da ihr gesellschaftlicher Wert sich nicht unmittelbar in wirtschaftlichen Kennzahlen abbilden lässt. Dabei leisten gerade sie einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung von Kreativität, kritischem Denken sowie individueller und kollektiver Identität.
Baumann warnt, dass diese Entwicklung langfristige Folgen haben könnte: Eine schwindende kulturelle Bildung gefährde nicht nur die Ausbildung kultureller Identität, sondern könne auch bestehende soziale Ungleichheiten verstärken, indem der Zugang zu kulturellen Angeboten zunehmend von individuellen Ressourcen abhängt.
Mit seiner Einordnung greift der Professor für Neue Medien ein Thema auf, das seit Jahren international in der Kultur- und Bildungspolitik diskutiert wird: den schleichenden Bedeutungsverlust kultureller Bildung im Spannungsfeld von Globalisierung, Digitalisierung und Ökonomisierung.
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Kulturelle Bildung im Wandel: Joel Baumann warnt vor Bedeutungsverlust

