Eine Exkursion ins Ruhrgebiet lieferte den Studierenden der Kunstwissenschaft an der Kunsthochschule Kassel wichtige Impulse für die Konzeption einer Jubiläumsausstellung zum 250-jährigen Bestehen der Kunsthochschule Kassel, die 2027 eröffnet werden soll.
Wie entstehen zeitgenössische Ausstellungen? Welche Rolle spielt die Szenografie bei der Vermittlung von Kunst und Geschichte? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Studierenden der Kunstwissenschaft im Rahmen der Exkursion zum Ende des Sommersemesters 2026. Das Seminar unter der Leitung von Prof. Dr. Kai-Uwe Hemken bereitet die Konzeption der Ausstellung zum Jubiläum der Kunsthochschule vor.
Zusammenarbeit mit der Hochschule Dortmund
Ein zentraler Programmpunkt war der Besuch eines Projektseminars von Prof. Dr. Pamela C. Scorzin im Masterstudiengang Szenografie an der Hochschule Dortmund. Im Mittelpunkt des gemeinsamen Workshops standen aktuelle Ansätze kuratorischer Szenografie sowie deren Bedeutung für die Entwicklung innovativer Ausstellungskonzepte. Beide Seminargruppen diskutierten über räumliche Inszenierung, Ausstellungsdramaturgie und die Wechselwirkungen zwischen Architektur, Kunstwerk und Publikum. Der Austausch markiert den Auftakt einer Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen.
Kuratorische Konzepte der Manifesta 16 Ruhr
Ein weiterer Schwerpunkt der Exkursion war die Auseinandersetzung mit der Manifesta 16, deren Ausstellungsorte sich über das Ruhrgebiet verteilen. Das Seminar untersuchte die Biennale als Beispiel zeitgenössischer kuratorischer Praxis und analysierte, wie historische Orte, gesellschaftliche Fragestellungen und künstlerische Positionen zu vielschichtigen Ausstellungserzählungen verknüpft werden. Besondere Aufmerksamkeit galt den Kirchen, die im Rahmen der Manifesta zu Ausstellungsorten umgestaltet wurden. Die dort präsentierten Projekte setzen sich mit der Geschichte des Ruhrgebiets – insbesondere seiner bergbaulichen Vergangenheit – sowie mit Fragen von Migration, sozialem Wandel, religiöser Praxis und kultureller Erinnerung auseinander. Die Umnutzung sakraler Räume eröffnet neue Perspektiven auf das Verhältnis von Kunst, Architektur und Öffentlichkeit.
Gemeinsam mit Vermittler*innen der Manifesta 16 und Studierenden der Szenischen Forschung an der Ruhr-Universität Bochum, diskutierten die Kasseler Studierenden die kuratorischen Strategien und szenografischen Konzepte der Biennale. Im Mittelpunkt standen Fragen, wie zeitgenössische Ausstellungsformate historische Themen räumlich erfahrbar machen und unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven in einen Dialog bringen können.
Besuch der Zeche Zollverein
Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch des UNESCO-Welterbes Zeche Zollverein in Essen mit dem Ruhr Museum und dem Red Dot Design Museum. Dort wurden museale Präsentationsformen und Strategien der Geschichtsvermittlung mit den kuratorischen Ansätzen der Manifesta 16 verglichen. Die Gegenüberstellung verdeutlichte unterschiedliche Formen der Inszenierung industriellen Erbes und zeigte, wie Museen und Kunstausstellungen historische Prozesse jeweils auf eigene Weise vermitteln.


