In seinem neuen Buch untersucht Daniel Hornuff, Professor für Theorie und Praxis der Gestaltung an der Kunsthochschule Kassel, die Dynamik typischer Kulturkampfthemen. Im Zentrum stehen Debatten über das Gendern und den Klimawandel, die Folgen des 7. Oktobers sowie Auseinandersetzungen um Meinungs- und Kunstfreiheit, Migration und Erinnerungskulturen. Der Autor versteht „Kulturkampf“ dabei nicht als gesellschaftliche Tatsache, sondern als politisches Framing. Mithilfe dieses Framings, so eine seiner Thesen, werden politische Gegner als Feinde markiert, um die eigene Position als Bastion politischer Vernunft stilisieren zu können.
Das im Verlag J. B. Metzler erschienene Buch ist das Ergebnis eines Forschungssemesters und umfasst sieben Essays, die durch ein Auftakt- und ein Schlusskapitel thematisch gerahmt werden. Insbesondere im letzten Kapitel plädiert Hornuff für eine Haltung politischen Gleichmuts: für die stoische Weigerung, sich in Eskalationsspiralen hineinziehen zu lassen. Nur so lasse sich jener Raum zurückerobern, in dem das Politische befruchtend und befreiend wirken kann, statt in Abnutzungskämpfen verschlissen zu werden.
Das Buch richtet sich an alle, die sich für Politik und gesellschaftliche Debatten interessieren, ebenso wie an jene, die mit Sorge auf gegenwärtige Tendenzen zur brutalen Vereinfachung blicken und nach möglichen Auswegen suchen.
